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Kino Xenix

Vom langen Leben einer Schulbarackenarchitektur im Herzen der Stadt Z├╝rich

  1. Architekt Martin Saarinen Frei+Saarinen Architekten

Zusammenfassung

Gebaute Provisorien, die sehr viel l├Ąnger Bestand haben als ihre einmal geplante Nutzungsdauer, sind in Z├╝rich keine Seltenheit. Barackenprovisorien, meist f├╝r die Nutzung durch Schulen bestimmt, gibt es seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Eines dieser Provisorien, gebaut im Jahr 1904, beherbergt seit 1984 das Z├╝rcher Programmkino Xenix. Zwischen 2005 und 2007 wurde das Kino von dem jungen Z├╝rcher B├╝ro Frei + Saarinen erweitert und modernisiert. Martin Saarinen berichtet von der Herausforderung, ein dauerhaftes Provisorium, das aus der Filmszene Z├╝richs nicht mehr wegzudenken ist, f├╝r eine neue Nutzungsphase herzurichten, ohne die charakteristische Aura des Vorl├Ąufigen und Behelfsm├Ą├čigen zu opfern.

Keywords

Providurien

Es ist nicht bekannt, welches Vielfache seiner urspr├╝nglich angepeilten Lebensdauer ein Provisorium erreichen muss, um ein Providurium zu werden. Aber es ist bekannt, dass in der Schweiz im Allgemeinen - und in Z├╝rich im Speziellen - zahlreiche Exemplare dieser Gattung stehen, was vielleicht auch in der Schweizer Mentalit├Ąt begr├╝ndet sein k├Ânnte: Dr├Ąngenden Fragen begegnet man in einer eigent├╝mlichen Kultur des Verweigerns definitiver Entscheide lieber mit ├ťbergangsl├Âsungen, was allerdings nicht immer nachteilig sein muss. So bewahrte die typisch schweizerische Tr├Ągheit und Skepsis gegen├╝ber "gro├čen Ideen" das Land weitgehend vor un├╝berlegten st├Ądtebaulichen Kahlschl├Ągen oder seelenlosen Satellitenst├Ądten. Das prominenteste Providurium des Landes d├╝rfte wohl das nach einer Warenhauskette benannte Globusprovisorium sein, welches seit genau f├╝nfzig Jahren direkt beim Hauptbahnhof an - oder vielmehr in - der Limmat steht.

Abb. 1: Das f├╝nfzig Jahre alte Globusprovisorium in Z├╝richs Innenstadt. Foto: wikimedia.org.

Bereits bei der Projektierung dieser ├ťbergangsl├Âsung wurde ihr Abriss im Jahr 1968 festgelegt, aber mittels einer Volksabstimmung lie├č sich ein Aufschub auf unbestimmte Zeit erwirken. Das vom bekannten Z├╝rcher Architekten Karl Egender geplante Haus blieb stehen und sollte schlie├člich sogar zum Namensgeber der sogenannten Globuskravalle werden, die im Zuge der europaweiten 68er-Jugendrevolten direkt davor stattfanden. Nach dem Wegzug seiner urspr├╝nglichen Mieter beherbergte es bis zum heutigen Tag eine Reihe verschiedenster Nutzer. So hatte bis 1977 auch die Architekturabteilung der ETH ihr Gastspiel in diesen R├Ąumen und organisierte dort beispielsweise 1972, anl├Ąsslich des Beginns seiner Z├╝rcher Lehrt├Ątigkeit, eine vielbeachtete Ausstellung ├╝ber Aldo Rossi.

Schulbaracken

├ähnlich langlebig sind auch einige der Schulhausprovisorien, die seit gut hundert Jahren in Z├╝rich errichtet werden: Schon in der Gr├╝nderzeit suchte man nach schnell realisier- und finanzierbaren L├Âsungen, um dem mit explodierenden Bev├Âlkerungszahlen einhergehenden Mangel an Schulen rasch begegnen zu k├Ânnen, und so erstellte man ├╝ber das Stadtgebiet verstreut ein gutes Duzend vorfabrizierter Holzelementbauten. Heute stehen noch mindestens drei Exemplare – ein denkmalgesch├╝tztes Exemplar an der Neum├╝nsterstra├če, eine mit einer Verkleidung aus hautfarbenen Faserzementplatten verunstaltete Version beim ├ämtlerschulhaus sowie die Xenix-Baracke, auf deren Geschichte sp├Ąter ausf├╝hrlich eingegangen werden soll.

Abb. 2: Das im Originalzustand erhaltene Provisorium an der Neum├╝nsterstrasse. Foto: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Z├╝rich.

Abb. 3: Exemplar beim Ämtlerschulhaus: Foto: Martin Saarinen.

1904 waren diese sogenannten "Pavillonbauten" allerdings noch alles andere als ├╝blich, wie der Stadtratsbeschluss, "sich der eigenartigen Bauart zu bedienen", verdeutlicht. Bald darauf erkl├Ąrt die Z├╝rcher Wochenchronik am 12. November 1904: "S├Ąmtliche drei Baracken wurden fix und fertig aus Deutschland bezogen, nur die n├Âtigen Tiefbauarbeiten, wie Fundamente, Kanalisation etc., wurden durch hiesige Baugesch├Ąfte durchgef├╝hrt." Wie in Jan Capols Text "Die Xenix-Baracke – Ein Produkt der exakten Wissenschaft" im Buch Xenix – Kino als Programm nachzulesen ist, sei der Stadtrat nach Fertigstellung der ersten drei Schulbaracken begeistert gewesen: "Grundgedanke dieser Bauart ist die vollst├Ąndige Zerlegbarkeit der B├Âden, der W├Ąnde und des Daches, so dass das Bauwerk in der gleichen Form und Gr├Â├če ohne Stoffverlust mehrmals abgebrochen und an einem anderen Orte wieder aufgerichtet werden kann. Die Abnutzung soll so gering sein, dass die Baracken f├╝nfzig Jahre gebraucht werden k├Ânnen." Tats├Ąchlich war das "System Br├╝mmer" der in K├Âln ans├Ąssigen Deutschen Barackenbau-Gesellschaft GmbH ein ├Ąu├čerst durchdachtes und universell anwendbares modulares Bausystem, dessen Effizienz sp├Ąter auch im Dienste der NS-T├Âtungsindustrie missbraucht werden sollte.

Abb. 4: Zeitungsreklame f├╝r das universell anwendbare Br├╝mmer-System.

Die Tradition des Schulprovisorienbaus lebt ├╝brigens bis heute in der mittlerweile dritten Provisoriumsgeneration weiter: Drei├čig Exemplare des Typs "Z├╝ri-Modular" bev├Âlkern heute die Au├čenanlagen der scheinbar systematisch unterdimensionierten Z├╝rcher Schulbauten.

Abb. 5: "Z├╝ri-Modular", Schulhauproviorien der dritten Generation. Foto: Martin Saarinen.

Der Filmclub Xenix

Jan Capol zufolge hatte der Stadtrat die Gebrauchszeit auf eine sogenanntes "Definitivuum" von neun Jahren festgelegt, doch auch in der bereits erw├Ąhnten Xenix-Baracke kam es anders: Sie blieb stehen und fand, nachdem der Schulraumbedarf anderweitig komfortabler befriedigt wurde, unter anderem Verwendung als Lager, Kindergarten, Jugendstube der Sozialistischen Arbeiterjugend, bis sie 1984, leerstehend, von Filmenthusiasten besetzt wurde. Diese hatten zuvor an verschiedenen anderen Lokalit├Ąten in der Stadt versucht, die Idee eines Kinos abseits des Mainstreams zu realisieren, leider ohne Aussicht auf eine l├Ąngerfristige L├Âsung. Die zwei Schulzimmer der einb├╝ndigen Baracke wurden zum Kinosaal vereint, das Lehrerzimmer zum Projektionsraum umfunktioniert und der drei Meter breite Korridor zur m├Âglicherweise l├Ąngsten und definitiv schmalsten Bar der Stadt. Diese erwies sich durch die exzellente Lage auf einem Kiesplatz, der sich auch noch f├╝r Open-Air-Kinovorf├╝hrungen nutzen l├Ąsst, als veritable Cashcow. Denn ohne Bar kein Xenix - nur durch die ├ťbersch├╝sse aus der Gastronomie lie├č sich das "aufw├Ąndigste Kino der Schweiz" finanzieren.

Abb. 6: Die Xenix-Baracke in ihrem mutma├člichen Ursprungszustand, sowie zu Kino und Bar umfunktioniert – vor und nach der Erweiterung.

Konsolidierung

Es gelang, die zust├Ąndigen Beh├Ârden vom urspr├╝nglichen Plan, die Baracke k├╝nftig als Polizeiwache zu verwenden abzubringen, und man lie├č die "Xenixen" (das schweizerdeutsche "gseh nix!" bedeutet paradoxerweise "ich sehe nichts!") fortan gew├Ąhren. Dieser Entscheid war auch nicht ganz uneigenn├╝tzig, weil durch den neu etablierten Kino- und Barbetrieb eine Aufwertung des gesamten Gevierts stattfand, welches - in unmittelbarer N├Ąhe zur ber├╝chtigten Langstra├če – zuvor wohl ├╝ber ein ertr├Ągliches Ma├č hinaus von Junkies, Drogendealern und Prostituierten bev├Âlkert wurde. Die folgenden Jahre wurden durch einen Professionalisierungsprozess gepr├Ągt: Drei├čig Voll- oder Teilzeitstellen wurden geschaffen und schrittweise auch bauliche Optimierungen vorgenommen. Das Xenix etablierte sich als ambitionierter Kinobetrieb und auch von offiziellen Stellen wurde allm├Ąhlich der verdiente Respekt in Form von Bezuschussungen zuteil. Abertausende Filmliebhaber waren da, Filmgr├Â├čen - vor oder hinter der Kamera - waren da, buddhistische M├Ânche und die Knef waren da. Und mittlerweile brachte die bunte Truppe der Filmverr├╝ckten auch eigene Filmschaffende, wie beispielsweise die Regisseure Luc Schaedler oder Samir hervor.

Abb. 7: Das "Sofakino" nach dem Umbau. Foto: Hannes Henz.

Der Barbetrieb wurde weiterentwickelt und stie├č, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass man an lauen Sommerabenden bis zu tausend durstige G├Ąste auf dem Kiesplatz z├Ąhlte, an seine r├Ąumlichen Grenzen. So wurden mehr oder weniger behelfsm├Ą├čige Anbauten f├╝r K├╝hlr├Ąume oder Leergut angegliedert, die sich mit einer gelassenen Selbstverst├Ąndlichkeit unter dem Baumdach einer m├Ąchtigen Kastanie duckten.

Handlungsbedarf

Dieses Laisser-faire funktionierte ├╝ber zwanzig Jahre lang reibungslos, doch allm├Ąhlich wurde die Forderung laut, dass man die Gesamtanlage, bestehend aus Baracke und Anbauten (diese waren selbstverst├Ąndlich nicht bewilligt) doch in ordentliche Verh├Ąltnisse ├╝berf├╝hren sollte. Wohl nur der Kombination aus typisch schweizerisch ausgepr├Ągtem Rechtsempfinden (so lange es nicht Bankgesch├Ąfte betrifft), der Liebe zu Sauberkeit und Ordnung sowie ausreichenden finanziellen Mitteln ist es zu verdanken, dass schlie├člich der erstaunliche Beschluss gef├Ąllt wurde, dass die Baracke (mit einem gesch├Ątzten materiellen Wert eines sehr kleinen Kleinwagens) f├╝r eine nicht unerhebliche Summe umgebaut und erweitert werden sollte. Im gleichen Zug sollten betriebliche Verbesserungen erzielt und durch mehr Nutzfl├Ąche und eine h├Âhere Attraktivit├Ąt auch gr├Â├čere zuk├╝nftige Einnahmen m├Âglich werden. Das baurechtliche Korsett war allerdings eng, weil die Baracke in einer sogenannten Freihaltezone steht, wodurch eine Ausbreitung bei Erhaltung der Ursprungsnutzung um gerade mal einen Drittel der Grundfl├Ąche zul├Ąssig ist. Die Freihaltzone sch├╝tzt in l├Ąndlichen Gebieten beispielsweise durch Bauernh├Ąuser gepr├Ągte Ensembles vor viel volumin├Âseren Neubauten. Dass eine solche Zone mitten im Z├╝rich zu finden ist, erkl├Ąrt sich wahrscheinlich durch eine Verlegenheit bez├╝glich einer zuk├╝nftigen Entwicklung des Quartiers. Die Freihaltezone erm├Âglicht also bescheidene bauliche Ma├čnahmen unter Verhinderung gr├Â├čerer baulicher Eingriffe.

Lampenfieber

So f├╝hrte das Amt f├╝r Hochbauten der Stadt Z├╝rich ein sogenanntes Planerwahlverfahren mit drei eingeladenen Architekturb├╝ros durch, die auf gerade mal einem A3-Blatt einen skizzenhaft baulichen Eingriff vorschlagen sollten. Dieses Verfahren erlaubt es der Stadt, auch unbekannte Architekten im Sinne einer Nachwuchsf├Ârderung einzuladen, und so sah sich der Verfasser unverhofft vor der Aufgabe, das Xenix, das er wie die meisten Z├╝rcher Kulturinteressierten gut kannte, um einen Drittel (selbstverst├Ąndlich zeitgem├Ą├čen bauphysikalischen Normen entsprechend) zu erweitern. Dies sollte sich als gro├če Herausforderung herausstellen, weil die filigrane Struktur des Bestandes (die Fassadenpaneele sind beispielsweise nur sechs Zentimeter stark) auf keinen Fall durch einen verh├Ąltnism├Ą├čig klobigen Anbau konkurriert werden sollte. Ein selbstverst├Ąndliches Weiterbauen in L├Ąngsrichtung wurde durch eine gesch├╝tzte Rosskastanie verunm├Âglicht, und auch die H├Âhe des bestehenden Giebels machte f├╝r die Nutzung der Erweiterung, die nebst den zu ersetzenden K├╝hl- und Lagerr├Ąumen auch eine verl├Ąngerte Bar, eine kleine K├╝che sowie sanit├Ąre Anlagen aufnehmen sollte, wenig Sinn.

Abb. 8: Formgenese der Erweiterung: Ein Abknicken erm├Âglicht den Erhalt der Rosskastanie, durch ein platzseitiges "Aufbrechen" entstehen neue Qualit├Ąten, wie eine neue, gro├čz├╝gige Eingangssituation zur Bar sowie ein dreieckiges Vordach.

Konkretisierung

Es gelang, das Entscheidungsgremium mit der Behauptung zu gewinnen, dass ein - bedingt durch funktionale Anforderungen sowie der Lage des Baumes - formal fremdartiger Fortsatz des Bestandes dennoch ├╝berzeugen k├Ânnte, wenn alle verf├╝gbaren entwerferischen Mittel zu Gunsten einer neuen Einheit aus Alt und Neu eingesetzt w├╝rden.

Abb. 9, 10: Platzfassade vor und nach dem Umbau: Der gro├če ├ľffnungsfl├╝gel erlaubt es den bis zu tausend durstigen G├Ąsten an lauen Sommerabenden schnell zu ihrem Bier zu gelangen. Foto: Martin Saarinen, Hannes Henz.

Obwohl die Xenix-Baracke im Gegensatz zu ihrer Schwester an der Neum├╝nstergasse nicht im Inventar der gesch├╝tzten Bauten aufgef├╝hrt ist, wurde die Denkmalpflege in die Entscheidungsprozesse integriert. Gl├╝cklicherweise war ein Abweichen vom leider immer noch weitverbreiteten denkmalpflegerischen Dogma einer anzustrebenden Alt-Neu-Dialektik m├Âglich und so konnte man die Detaillierung der Konstruktion ganz in den Dienst einer Verwischung bzw. ├ťberspielung der Grenze zwischen Bestand und Neubau stellen.

Abb. 11, 12: R├╝ckfassade: Die Feingliedrigkeit des Bestandes wurde in der Erweiterung uminterpretiert. Foto: Martin Saarinen, Hannes Henz.

Auf stofflicher Ebene zwang das Konzept der Einheitlichkeit allerdings auch zu L├Âsungen, die von den Entwerfenden sonst nie in Betracht gezogen worden w├Ąren: Die etwas altbackene Art der F├╝gung sowie eine Anlehnung der Ma├čst├Ąblichkeit an den Bestand f├╝hrte zu Wandt├Ąfelungen, unz├Ąhligen Leisten und Profilen, wobei der Entscheid, nichttragende "Zierbalken" an den Rohbau des Neuen Daches zu kleben wohl den H├Âhepunkt einer m├╝hevollen und voller Zweifel gepr├Ągten Auseinandersetzung darstellte.

Abb. 13, 14: Die erweiterte Bar ist die auff├Ąlligste innenr├Ąumliche Neuerung. Die F├Ącherung der Balken ist ├Ąu├čerst untypisch und ein kleiner Verweis auf deren dekorative Funktion. Foto: Martin Saarinen, Hannes Henz.

Bis zum Abend der Wiederer├Âffnung war nicht klar, ob die neue alte Baracke durch die Bev├Âlkerung angenommen w├╝rde. Denn trotz der Idee, die Atmosph├Ąre des Bestandes zu bewahren, wurden beispielsweise nahezu alle geb├Ąudetechnischen Installationen, die erneuert werden mussten, zum Verschwinden gebracht, damit die Balkenstruktur der Decke ihre volle Wirkung entfaltet. Dass durch solche Ma├čnahmen auch ein Teil des "Charme des Improvisierten" eliminiert w├╝rde war ein Risiko, auf das man zu Gunsten einer pr├Ągnanteren Raumwirkung einzugehen bereit war.

Interaktionen

Gl├╝cklicherweise war die Akzeptanz sowohl bei G├Ąsten und Personal ├╝beraus positiv, und auch die erhofften Mehreinnahmen blieben nicht aus. Was den Architekten allerdings erst sp├Ąter bewusst werden sollte, ist die Ver├Ąnderung, welche die Baracke ihrerseits in ihnen bewirkt hatte. Nachdem ihr Denken ma├čgeblich vom Schweizer Mainstream gepr├Ągt wurde, wonach Abstraktion, Fugenlosigkeit oder Scharfkantigkeit per se erstrebenswert sei, sensibilisierte die tagt├Ągliche Auseinandersetzung mit der Baracke f├╝r tektonische Ph├Ąnomene, und bis zum heutigen Tag, bald f├╝nf Jahre nach der Fertigstellung, ├╝bt das Provisorium immer noch einen gewichtigen Einfluss im Denken und im Werk des Verfassers aus. Augenf├Ąlligstes Beispiel d├╝rfte der Umbau des Pfarreihauses St. Josef in Z├╝rich sein, wo ein neues Foyer in den zuf├Ąlligerweise ebenfalls auf den 1904 datierenden Bestand eingeschrieben wurde. R├╝ckblickend scheint es, als ob die Baracke wie ein Fetisch seine Macht auf meine Kollegen und mich ausge├╝bt h├Ątte - wie sonst ist zu erkl├Ąren, dass die T├Ąfelung, der Holzriemenboden, die F├╝gung der Bekleidungen und selbst der Handlauf entlang der kleinen Treppe zur oberen Foyer-Ebene augenscheinlich vom Xenix abgeleitet sind, obwohl nichts im Bestand eine solche Ausformulierung nahegelegte?

Abb. 15: Die Architektur des Schulprovisoriums wurde zum pr├Ągenden Element f├╝r den Entwurf eines neuen Pfarreihaus-Foyers. Foto: Nicolaj Bechtel & Stefan W├╝lser.

Zwang die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Baracke zu einer Feingliedrigkeit, so war es im Pfarreihaus der freie Wille, ein tektonisches Wand- und Deckenkleid zu entwickeln, welches in seinem scheinbaren Anachronismus einen spannungsvollen Gegensatz zu der facettierten Form entwickelt. So wurde die Permanenz des Schulhausprovisoriums und sp├Ąteren Kinos um eine neue Dimension erweitert: Vor mehr als hundert Jahren als behelfsm├Ą├čige Notl├Âsung f├╝r den Mangel an Schulr├Ąumen errichtet, wurde die Baracke erstaunlicherweise nun sogar zur Referenz f├╝r den Umbau eines altehrw├╝rdigen katholischen Pfarreihauses.

Literatur:

Beat Schneider (Hg.): Xenix – Kino als Programm. Marburg 2005.

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erstellt von Martin Saarinen zuletzt ver├Ąndert: 19.11.2019 09:41
Mitwirkende: Saarinen, Martin
DPPL