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raubkopie

zum thema des nÀchsten Heftes

  1. Dipl.-Ing. Daniel Buggert

Zusammenfassung

zum Thema des nÀchsten Heftes

Keywords

Raubkopie

Das Zitieren stellt seit jeher eine grundlegende Methode des kĂŒnstlerischen Arbeitens dar. Es ist die Möglichkeit der kritischen, persiflierenden oder einfach nur bewundernden Bezugnahme auf zuvor Geschaffenes, auf den Schatz unserer kulturellen IdentitĂ€t. Dies setzt gleichwohl das Vorhandensein eines allgemeingĂŒltigen Repertoires voraus, da ein Zitat nur dann Sinn hat, wenn es auch als solches erkennbar bleibt. Dem Repertoire verpflichtet, war bis zur Moderne so gut wie jede kĂŒnstlerische Ausbildung geprĂ€gt durch das Studium bekannter Vorbilder und das Anfertigen tatsĂ€chlicher Kopien.

Mit der Entwicklung digitaler Medien ist die beliebige VervielfĂ€ltigung jeglicher Form von Daten ohne einen QualitĂ€tsverlust möglich geworden. Die Film- und Musikbranche benennt die große Verbreitung von Raubkopien via Internet als immensen wirtschaftlichen Schaden und stilisiert sie zur Bedrohung der eigenen Branche hoch. Dem stehen gleichzeitig ungeahnte technische Möglichkeiten in der Produktion von Musik, Bildern etc. gegenĂŒber. Eine nahezu professionelle QualitĂ€t ist mit mittelgroßem Aufwand auch im heimischen Wohnzimmer möglich, wodurch eine Unmenge an Datenmaterial in verschiedensten Foren zur VerfĂŒgung steht. In der unfassbaren FĂŒlle von verheißungsvollen Bildern, Filmschnipseln, KlĂ€ngen und technischen Möglichkeiten stecken alle SehnsĂŒchte, Hoffnungen und TrĂ€ume unserer Gesellschaft. Zugleich beinhalten sie aber auch die Beliebigkeit, ÜbersĂ€ttigung und Überforderung in der Suche nach ErfĂŒllung und Befriedigung, die ebenso Teil unserer Welt ist. Wir werden hiermit vor die Herausforderung gestellt, im vorhandenen Chaos die Spreu vom Weizen trennen zu mĂŒssen.

Eine Kernfrage, die sich auf dem Weg aus der Orientierungslosigkeit stellt, ist die nach der Bedeutung von Originalen und dem Wert der OriginalitĂ€t. In der Kunst sind in der Auseinandersetzung mit dieser Frage ganze Lebenswerke entstanden. So z.B. in der Pop-Art, deren Werke stets die Frage der Reproduzierbarkeit implizieren. Eine Steigerung stellt die Appropriationskunst dar. Hier wird die abendlĂ€ndische Kunst gar der OriginalitĂ€tssucht bezichtigt, indem gemalte Verkleinerungen bekannter Werke produziert und ausgestellt werden. GestĂ€rkt wird diese Position durch das Konsumverhalten unserer Gesellschaft. Ausstellungen können in Form von Katalogen nach Hause getragen werden und so gut wie jedes bekanntere Opus findet sich im Internet – sowohl als digitale "Reproduktion" des Originals als auch als verflachte Kopie.

Auch fĂŒr die Architektur muss diese Frage erörtert werden. Auf der einen Seite gibt es einen spĂŒrbaren Zwang zur OriginalitĂ€t im Sinne des ewig "Neuen". Im Gegenzug wird vielerorts – aktuelle Beispiele sind Dresden, Frankfurt und Berlin – die mehr oder minder exakte "Kopie" einer verlorenen Vergangenheit als einzige Zukunftsvision empfunden. Einerseits wird also die völlige Abkehr vom Bekannten, d.h. die Auflösung des Repertoires betrieben, andererseits entsteht in der Gegenreaktion die Sehnsucht nach dem "Althergebrachten", dem "BewĂ€hrten". Es ist zu befĂŒrchten, dass beide AnsĂ€tze eine Sackgasse darstellen, da wir das Fortschreiten der kulturellen Entwicklung weder verleugnen noch stoppen können. Beide Tendenzen weisen die SchwĂ€che auf, OriginalitĂ€t aus sich selbst heraus schaffen zu wollen, die eine in der Verneinung existierender Originale, die andere in der Verneinung zeitgenössischer Entwicklung. Die Lösung scheint in einer klaren Positionierung bezĂŒglich unserer IdentitĂ€t im Sinne einer kulturellen KontinuitĂ€t zu liegen; die Formel könnte heißen, dass OriginalitĂ€t nur in der Auseinandersetzung mit Originalen entstehen kann.

Oftmals begnĂŒgen wir uns mit Kopien, seien es die geklauten CDs aus dem Internet, das Remake eines berĂŒhmten Filmes oder die Revival-Band, die gute alte Zeiten wieder aufleben lĂ€sst. Es stellt sich nun die Frage, wie die Bedeutung des Originals in Zukunft verstanden wird. Hat uns die digitale

Welt von der Verpflichtung zum Original befreit? Welchen Einfluss haben die virtuellen Welten auf unser VerstĂ€ndnis von RealitĂ€t und wieviel Weltflucht können wir uns erlauben? Welche Formen des Umgangs mit Originalen gelten und welche Erkenntnisse sind in der Auseinandersetzung mit ihnen zu gewinnen? Welches Repertoire liegt unseren heutigen BemĂŒhungen, Originelles zu schaffen, zu Grunde, und stellt dieses Repertoire eine Verbindlichkeit dar? Wann ist ein Zitat eine Kopie und wann eine Kopie eine Raubkopie, ein Plagiat?

archimaera möchte mit dieser Ausgabe den Versuch unternehmen, die Begriffe Zitat, Kopie und Raubkopie zu klÀren und ihre historischen Definitionen zu beleuchten. archimaera lÀdt dazu ein, Position zu beziehen, wie diese Begriffe heute und in Zukunft zu verstehen sind.

Redaktionsschluss fĂŒr diese Ausgabe: 31.05.2008

Einreichungen direkt unter "mitmachen" bei www.archimaera.de oder per E-Mail an redaktion@archimaera.de

  

Daniel Buggert

urn:nbn:de:0009-21-12735

 

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Jedermann darf dieses Werk unter den Bedingungen der Digital Peer Publishing Lizenz elektronisch ĂŒber­mitteln und zum Download bereit­stellen. Der Lizenztext ist im Internet unter der Adresse http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/dppl/DPPL_v2_de_06-2004.html abrufbar.

erstellt von dippadm zuletzt verÀndert: 18.11.2019 13:20
Mitwirkende: Buggert, Daniel
DPPL