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erstellt von Karl R. Kegler zuletzt ver├Ąndert: 23.11.2019 13:40

Call for Papers: archimaera #9: R├ťCKSEITEN
(read this Call for Papers in English) 

"Der Mensch geht geradeaus, denn er hat ein Ziel." – Das Zitat von Le Corbusier kennt nur eine Richtung.  
Das Ziel liegt vorn – was liegt auf der anderen Seite?  

Das Ziel ist das Geplante, die R├╝ckseite ist das Ungeplante, oder das Zuvor-Geplante. Es ist das, was aus dem Blick geraten ist. Die R├╝ckseite ist vielleicht eine Frage der Perspektive des Beobachters, aber sie ist zugleich ein existentieller Zustand. Der Mensch tr├Ągt die R├╝ckseite seines Tuns und seines Handelns mit sich wie einen Schatten. 

Bei der Betrachtung der R├╝ckseite dr├Ąngen sich Erfahrungen, Vorstellungen und Bilder aus der Architektur auf: Einkaufszentren, Flugh├Ąfen, Beh├Ârden, Hotels, St├Ądte und Pl├Ątze, Universit├Ątsbauten, und ihre R├╝ckseiten. Auch in der Kunst gibt es R├╝ckseiten, Werke, die sich der Allansichtigkeit verweigern oder R├╝ckansichten bewusst als k├╝nstlerische Strategie einsetzen. Jede Seite einer Handschrift hat ein recto und ein verso, Vor- und R├╝ckseite.

– Gibt es Dinge, Orte, die nur R├╝ckseite sind? Gibt es Orte ohne R├╝ckseite?  

Das Fehlen von R├╝ckseiten m├╝ndet in der Vorstellung vollkommener Allansichtigkeit, Perfektion und Kontrolle, eines totalen Panoptikums – in gewisser Weise ist dies ein unbehagliches Bild. Die Abschaffung der R├╝ckseite w├Ąre ein Projekt, das vielleicht mit der Abschaffung der Dunkelheit vergleichbar ist – Night as Frontier. Colonizing the World after Dark (1987) hat Murray Melbin eines seiner wichtigen technikgeschichtlichen und aufkl├Ąrungskritischen B├╝cher benannt. Aufkl├Ąrung in einem sehr w├Ârtlichen Sinn verstanden als 24st├╝ndige Beleuchtung ist eines der Themen in der Stadttechnik des 19. Jahrhunderts. Heute ist dieser Zustand global. Als Nebeneffekt ist der n├Ąchtliche Sternenhimmel ├╝ber den gro├čen Ballungsr├Ąumen nicht mehr erkennbar.  

Sind R├╝ckseiten in einem Prozess zunehmender Effizienzsteigerung und Kontrolle vielleicht sogar ein zunehmend gef├Ąhrdetes Ph├Ąnomen? Was sind die "R├╝ckseiten" einer technisierten, verst├Ądterten, globalen Lebenswelt? 

Der Mensch geht geradeaus, denn er hat ein Ziel. – Liest man diesen Gedanken als Fortschrittsprogramm, so gibt es Disziplinen, die sich f├╝r das genaue Gegenteil interessieren, die das Vergangene und das Zur├╝ckgelassene in den Blick nehmen. In diesem Sinne betreiben Architekturgeschichte und Architekturtheorie eine Betrachtung von R├╝ckseiten der Architektur.    

 

F├╝r die kommende Ausgabe von archimaera l├Ądt die Redaktion zur Auseinandersetzung mit den R├╝ckseiten des Bauens ein. Konkrete Fallstudien, theoretische Reflexionen, architektonische oder gestalterische Fiktionen sowie Beispiele aus Kunst, Literatur und Architekturgeschichte sind willkommen. 

In welcher Beziehung stehen R├╝ckseiten in der Architektur zu Repr├Ąsentationen und Nicht-Repr├Ąsentationen menschlichen Handelns? Sind R├╝ckseiten anthropologisch bestimmt? Wie k├Ânnen R├╝ckseiten architektonisch, k├╝nstlerisch oder dramaturgisch verdeutlicht werden? Gibt es Typologien der R├╝ckseite? – Diese und weitere Fragen sind willkommene Ausgangspunkte f├╝r theoretische und anschauliche Arbeiten.

Call for Papers als PDF (deutsch/englisch)

Bitte senden Sie Vorschl├Ąge f├╝r Beitr├Ąge in Form eines Abstracts von max. 2.500 Zeichen bzw. einer Arbeitsprobe (max. 3 MB) bis zum 7. Dezember 2019 an folgende Mailadresse:   
rueckseiten(at)archimaera.de  
Die Auswahl der Beitr├Ąge erfolgt bis zum 22. Dezember 2019. 
Die ausgew├Ąhlten Beitr├Ąge sind in ausgearbeiteter Form  bis zum 22. Februar 2020 einzureichen.
Bitte beachten Sie die formalen Richtlinien von archimaera bei der Gestaltung Ihres Textes. 

Fristen: 

7. Dezember 2019 (Expos├ęs), 
22. Februar  2020 (Beitr├Ąge)