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Call for Papers: archimaera # 8: ATMOSPHÄREN (read this Call for Papers in English)

Der Begriff "Atmosphäre" gehört zu den wichtigen und zugleich schwierigen Themen im jüngeren Architekturdiskurs. Ursprünglich beheimatet in Physik und Meteorologie bezeichnet Atmosphäre im ästhetischen Bereich die emotionale Wahrnehmung von Dingen, Räumen und Situationen. Der Begriff bezieht sich auf subjektiv gefärbte Erfahrungen, die weder messbar noch mit naturwissenschaftlichen Methoden zu erfassen sind. Auf der anderen Seite wird der Anspruch formuliert, dass das Erleben von Atmosphären nicht der Willkür des Betrachters unterliegt; in diesem Sinne werden Atmosphären in der jüngeren Diskussion als "quasi-things" (Tonino Griffero) angesprochen. Sie sind in gewisser Weise "objektiv" gegeben und lassen sich durch den Einsatz gestalterischer Mittel hervorrufen. Eine Reihe von Autoren sieht im atmosphärischen Charakter von Bau- und Kunstwerken den eigentlichen Schlüssel zu architektonischer Qualität. Dem steht eine ältere Forschungsrichtung gegenüber, welche die emotionalen Anmutungen von "Stimmungsarchitektur" (Dieter Bartetzko) grundsätzlich skeptisch beurteilt.

Das Themenfeld der Atmosphäre ist in der Ästhetik eng mit jenen der "Präsenz" und „Zeitlichkeit“ verbunden. Das Erleben von Atmosphären und die Präsenzerfahrung eines Bau- oder Kunstwerks beziehen sich auf Formen unmittelbarer, nicht medial vermittelter Wahrnehmung, welche die persönliche Anwesenheit des Betrachters notwendig macht. Durch die Wahrnehmung und Vergegenwärtigung von Atmosphären werden Orte der Präsenz geschaffen. Diese Orte der Präsenz können kontinuierliche Manifestationen oder plötzliche Einschläge einer emotionalen Wirklichkeit sein. Das Erleben von Atmosphären unterliegt so einer Zeitstruktur die ausdehnbar ist.

In einer Zeit, in der das Erleben von Kunst und Architektur durch vielfältige Formen medialer Vermittlung geprägt und gekennzeichnet ist, drückt das Interesse an Präsenz und Atmosphären das Bedürfnis aus, einen unmittelbaren Modus der Erfahrung zurückzugewinnen. Dieses Bedürfnis kann auch als Nostalgie gelesen werden, zu vormodernen Formen emotionalen Erlebens zurückzukehren, die durch die Moderne geschädigt wurden. Vokabeln, die in diesem Themenfeld im Architekturdiskurs ebenfalls auftauchen, sind "poetisch", "auratisch" oder "heilig" – letztere verbinden den Begriff der Präsenz mit seinem historischen Ursprung in der Theologie.

 

Die kommende Ausgabe von archimaera ist dem Themenfeld der Atmosphären gewidmet. Wir laden dazu ein, konkurrierende Zugangsweisen zum Phänomen und Begriff der Atmosphäre in der Architektur darzustellen und zu diskutieren. Der Brückenschlag zu anderen Bereichen künstlerischer und gestalterischer Arbeit (Literatur/ Film/ Fotographie/ Musik/ Soundscapes Bühnenbild/ Werbung usw.), in denen Atmosphären von prägender Bedeutung sind, ist willkommen. Gibt es Transfers aus diesen Bereichen atmosphärischer Suggestion in die Architektur?

Ebenso ist der Blick auf Strategien zur Erzeugung emotionaler Effekte in der Architektur selbst wichtiges Thema. Zu denken ist an architektonische Strategien, um Raum- und Architekturerfahrungen durch bestimmte Qualitäten und Materialien, durch Reduktion und Isolation, durch den Einsatz ungewöhnlicher Proportionen oder durch technische Mittel zu inszenieren und zu intensivieren.

Schließlich laden wir zu Beiträgen ein, welche die aktuelle Auseinandersetzung mit Atmosphären in der Architektur kritisch diskutieren und einordnen. Lassen sich Atmosphären aus der inhärenten Präsenz oder Qualität eines Objekts ableiten? Inwiefern ist die Wahrnehmung von Atmosphären durch vorausliegende Erfahrungen und Ereignisse mitbestimmt? Welchen erkenntnistheoretischen Status kann man Atmosphären zuschreiben? Sind Atmosphären subjektiv, objektiv oder quasi-objektiv? Sind Atmosphären zeitlich fixierbare oder flüchtige, ephemere Erfahrungsmomente? Rufen unterschiedliche kulturelle Prägungen unterschiedliche Wahrnehmungen von Atmosphäre hervor? Inwiefern erzeugt die Publikation von Beispielen atmosphärischer Architektur in der Fachpresse bestimmte Seh- und Erwartungshaltungen?

Call for Papers als PDF (deutsch/englisch)

 

Bitte senden Sie Vorschläge für Beiträge in Form eines Abstracts von max. 2.500 Zeichen bzw. einer Arbeitsprobe (max. 3 MB) bis zum 10. Oktober 2018 an folgende Mailadresse: 

atmosphaeren(at)archimaera.de

Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 10. November 2018.
Die ausgewählten Beiträge sind in ausgearbeiteter Form  bis zum 15. Februar 2019 einzureichen.

Bitte beachten Sie die formalen Richtlinien von archimaera bei der Gestaltung Ihres Textes.

Fristen:

10. Oktober 2018 (Exposés)

15. Februar 2019 (Full Papers)