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Editorial

Zur Ausgabe 01/2008

Editorial
archimaera widmet seine erste Ausgabe dem Thema "Fremdsehen". Dieses Kunstwort steht für einen interdisziplinären Ansatz. archimaera hat sich zum Ziel gesetzt, den Graben zwischen Architekturtheorie, Architekturgeschichte und Architekturschaffen zu überbrücken. Unsere Zeitschrift versteht sich als Einladung zum "FremdSehen", d.h. als Anregung, neuartige Sichtweisen zuzulassen, zu verstehen und zu genießen. "FremdSehen" kann hierbei als Notwendigkeit und Methode für die Architekturbetrachtung verstanden werden. "FremdSehen" steht für Neugier auf Unbekanntes, Anderes, nie Gesehenes, für einen Blick nach außen. "FremdSehen" heißt aber auch, die vertrauten Methoden jenseits des eigenen Fachgebiets zu erproben, anzuwenden und davon zu berichten.
Vom Wortsinn her zielt "FremdSehen" auf die Wahrnehmung: das Sehen.
"FremdSehen" in diesem Sinne meint die Begegnung mit unbekannten Gebäuden, fremden Welten und anderen Kulturen, kurz: die Rezeption von Architekturkultur. Hierunter fällt auch die verfremdete und veränderte Wahrnehmung von Bekanntem durch Perspektivenwechsel und durch Veränderungen im Betrachter, am Objekt oder im Vorgang der Wahrnehmung.
Erweitert man die Bedeutung des Wortes, ist die Wirkung von "FremdSehen" gemeint, d.h. die inspirierende Kraft der Betrachtung des Neuen und Nicht-Gekannten. Das impliziert auch Frage danach, inwieweit historische und theoretische Betrachtungen heutiges Gestalten beeinflussen können bzw. wie die Relevanz dieser Betrachtungen für das heutige Architekturgeschehen einzuordnen ist. Worin haben Architekten Inspiration gefunden und wo suchen sie heute danach? Gibt es Möglichkeiten für den gezielten Einsatz von "FremdSehen"?
Schließlich ist "FremdSehen" auch eine Chiffre für den Schaffensprozess selbst. Dieser beinhaltet, sich vom entstehenden Objekt wiederholt zu entfernen und sich ihm neu, anders und mit fremdem Blick anzunähern.

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