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archimaera versteht sich als Einladung zum "FremdSehen", d.h. als Anregung, neuartige Sichtweisen zuzulassen, zu verstehen und zu genießen. "FremdSehen" kann hierbei als Notwendigkeit und Methode für die Architekturbetrachtung verstanden werden. "FremdSehen" steht für Neugier auf Unbekanntes, Anderes, nie Gesehenes, für einen Blick nach außen. "FremdSehen" heißt aber auch, neue Methoden jenseits des eigenen Fachgebiets zu erproben, anzuwenden und davon zu berichten. FremdSehen" ist insofern ein Synonym für das Programm von archimaera, deshalb haben wir uns entschieden, das erste Heft diesem Thema zu widmen.

Vom Wortsinn her zielt "FremdSehen" auf die Wahrnehmung, das Sehen. "FremdSehen" in diesem Sinne meint die Begegnung mit unbekannten Gebäuden, fremden Welten und anderen Kulturen, kurz: die Rezeption von Architekturkultur. Hierunter fällt auch die verfremdete und veränderte Wahrnehmung von Bekanntem durch Perspektivenwechsel und durch Veränderungen im Betrachter, am Objekt oder im Vorgang der Wahrnehmung.

Dieser Definition des "FremdSehens" ist der größte Teil der Beiträge dieser Ausgabe gewidmet. Als erstes nimmt uns Erich Lehner mit auf eine Reise nach Sumatra, um uns eine Einführung in dortige Haustypologien zu geben und hieran die Bindung zwischen kultureller Identität und lokaler Bautradition zu verdeutlichen. Karl Kegler führt uns nach Indien, wo er in der Geschichte der Stadt Lucknow einen zerbrochenen Spiegel europäischer Architektur entdeckt hat. Indische Architektur zeigt uns auch Fedor Roth mit seinen Zeichnungen, die im Verlauf verschiedener Indienreisen entstanden sind. Einen letzten Blick in den fernen Osten ermöglicht uns Manfred Speidels Darstellung der klassischen japanischen Architektur in ihrer Bedeutung als Inspirationsquelle der klassischen Moderne und gewinnbringendes Betrachtungsobjekt in heutiger Zeit.

"FremdSehen" im erweiterten Sinne meint auch, Dinge mit anderen Augen zu betrachten. Als Beispiel hierfür weist Thomas Knüvener nach, dass selbst etwas Unangenehmes, ja Abstoßendes wie eine Mülldeponie die Chance in sich birgt, gestalterisch tätig zu werden und sich der Schrecken verbrauchter Flächen vom reinen Infrastrukturprojekt zur Landschafts- Baustelle wandeln kann. Mit Arne Scheuermann haben wir einen Kommunikationsdesigner eingeladen, ein Architekturobjekt seiner Wahl einer genauen Betrachtung zu unterziehen. In seiner Analyse des Berner Hauptbahnhofs wird deutlich, wie die Architektur als Rahmen konsumorientierter Erlebnisketten genutzt werden kann.

Den Schlusspunkt des Heftes bildet ein Text von Mirko Baum aus seinem gerade erschienenen Buch Ulice na konci světa – Straße am Ende der Welt. Zur Architektur führen viele Wege und jeder erzählt seine eigene Geschichte. Genau dies vermittelt der Text von Mirko Baum und eben deshalb ist er ein wunderbarer Abschluss für die erste Ausgabe dieser Zeitschrift.

 

Daniel Buggert, Karl R. Kegler [Herausgeber dieser Ausgabe]

urn:nbn:de:0009-21-12748

 

Lizenz

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