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Die abgebildeten Skizzen sind meinen Reiseskizzenbüchern entnommen und zeigen einige der berühmtesten hinduistischen Baudenkmäler. Die hinduistische Baukunst und ihr zeichnerisches Studium waren Anlass zu insgesamt sieben Indienreisen, die ich in den vergangenen Jahren unternommen habe.

Mein Interesse an dieser Architektur richtet sich auf das visuelle Erlebnis von Komplexität und Monumentalität und begleitet eine parallel zu meinen Reisen betriebene umfängliche Arbeit an einem Zyklus von Architekturfantasien, der sich die Erschaffung einer neuen und persönlichen Formenwelt zum Ziel gesetzt hat. Die indische Baukunst ist für mich so etwas wie ein kongeniales Studienobjekt, in dem ich die unmittelbare und nichtkognitive Erfahrung dessen suche, was ich als das Seherlebnis architektonischer Schönheit allgemeingültig zu begreifen versuche und zugleich bewundere: Eine höchst komplexe und zugleich harmonisch geordnete Formwelt im Spiel des Lichtes. Dabei richtet sich mein Blick nicht auf die sogenannten architektonischen Eigenschaften oder Merkmale dieser Bauwerke, also weder auf Funktion und Konstruktion noch die spezifische Symbolik der indischen Götterwelt, sondern auf eine Struktur im Sinne des schönen "visuellen Gesamtklangs" der Formen. Ich bin fasziniert von dem harmonischen Gesamtbild dieser in sich höchst vielfältigen Formenwelt. Kunsthistoriker der Vergangenheit, insbesondere Wölflin, haben dieses Phänomen als Stil zu definieren versucht.

Das Zeichnen, insbesondere mein als malerisch-impressionistisch zu klassifizierender Blick, versucht jene visuellen Bedingungen zu erkunden, die in uns beim Anblick eines Haufen von Steinen plötzlich das Gefühl des Architekturschönen erwecken. Fernab von ideologieträchtigen kunst- und kulturhistorischen Betrachtungsweisen suche ich mit der Zeichnung eine Art Extrakt dieses Schönheitserlebnisses zu gewinnen, um die darin gewonnene Erkenntnis schließlich in meinen eigenen Erfindungen zur schöpferischen Anwendung bringen zu können.

Darin unterstützt mich der "weiche" und reduktive Blick meiner impressionistisch-fleckenhaften Darstellung, die über eine gewisse Verflüssigung und Verallgemeinerung des Gesehenen durch Abstraktion von der allzu konkreten Symbolik zu einer Wahrnehmung im Sinne eines "interesselosen Wohlgefallens" an der "reinen" Formenvielfalt gelangen möchte. Zugleich verschafft mir die malerische Sehweise bei der Betrachtung meiner Skizzen ein Feld gedanklicher Möglichkeiten, eine Verbindung aus Realem und Vorstellbarem, das mir als Projektionsfläche der Assoziation eigener Formgedanken dienen kann, mitunter sogar zur Vorstufe eigener Formerfindung wird.

Der konträren Position dieser Art von Architekturbetrachtung zu den gegenwärtig vorherrschenden akademischen Bedeutungskategorien und der durch sie konditionierten Wahrnehmungsweise bin ich mir bewusst. Das zeichnerische Studium der hinduistischen Baukunst dient der Erforschung meiner puren "Augenlust" in der ideologie- und symbolfreien Betrachtung des Architekturschönen. Zugleich suche ich darin die Befreiung von den zunehmend als Ballast empfundenen Traditionen der architektonischen Moderne.

 

Chidambaram. Nataraja Tempel. Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2006. Maße (Breite mal Höhe) 30 x 21 cm.

 

Osiyan. Mahavira Tempel. Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2001. Maße (Breite mal Höhe) 36 x 32 cm.

 

Jaisalmer. Chhatris Badu Bagh. Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2001. Maße (Breite mal Höhe) 24 x 14 cm.

 

Khajuraho. Devi-Jagadambi-Tempel. Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2003. Maße (Breite mal Höhe) 31 x 25 cm.

 

Madurai. Tortürme des Minakshi-Sundareshvara-Tempels. Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2005. Maße (Breite mal Höhe) 33 x 25 cm.

 

Palitana. Tempelkomplex (Shatrunjaya). Bleistift auf Papier. Skizzenbuch 2004. Maße (Breite mal Höhe) 18 x 24 cm.

Lizenz

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