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Über uns

 
Architektur hat viele Facetten, ebenso die Beschäftigung mit ihr. Architekturtheorie, architektonisches Entwerfen und Architekturgeschichte nähern sich dem gemeinsamen Thema von ganz verschiedenen Seiten, haben unterschiedlichste Methoden entwickelt und interessieren sich für unterschiedliche aktuelle Themenstellungen.
Die Unterschiedlichkeit dieser Ansätze schlägt sich im existierenden Spektrum der Architekturzeitschriften nur allzu deutlich nieder: jeweils spezielle Zeitschriften beschäftigen sich mit Themen der entwerferischen Praxis, verfolgen die theoretische und gesellschaftliche Diskussion um Architektur oder betrachten Architektur als historisches Phänomen aus geisteswissenschaftlicher Perspektive. Ein Medium, das diese unterschiedlichen Standpunkte mit dem Ziel gegenseitiger Befruchtung und allgemeiner Horizonterweiterung vereint, existiert bisher noch nicht, weder im Bereich der Print- noch der Online-Medien.
Wir, eine Gruppe junger Architekten, Kunst- und Architekturhistoriker, haben es uns zum Ziel gesetzt, diese Lücke zu schließen. Wir verstehen Architektur als ein übergreifendes Kulturphänomen, das es in seiner gesamten Spannweite zu erfassen gilt. Typologie und Nutzung, mediale Präsenz und gesellschaftliche Funktionen, Motive, Geschichte und Deutung, Konstruktion und Materialität sind Kategorien des Architektonischen, die einen gemeinsamen Zugang für alle beteiligten Disziplinen darstellen. Darüber hinaus besitzt die Auseinandersetzung mit Architekturgeschichte und -tradition bis in die Gegenwart eine unmittelbare Bedeutung für das kulturelle Selbstverständnis. Gerade in der Moderne haben programmatische Architekten und Architekturschulen vom Expressionismus bis zum Bauhaus, haben nationale Strömungen und Ideologien, haben Demokratie und gesellschaftliche Institutionen die Bedeutungsdimension des Bauens und ihre jeweiligen Neuansätze stets in Anschluss oder Abgrenzung mit der Baugeschichte definiert und visualisiert. Umso schwerer wiegt, dass heute kein Medium existiert, das moderne Tendenzen des Bauens in Zusammenhang mit fundierter kultur- und baugeschichtlicher Analyse und nicht allein mit eilig zusammengesuchten Referenzabbildungen betrachtet. Der Architekturdiskurs benötigt dringend ein Forum, in dem ein Austausch auf fächer- und methodenübergreifender Ebene stattfinden kann. Dies ist eine interdisziplinäre und interkulturelle Aufgabe.
 
archimaera ist als online-Zeitschrift geplant, die einen Blick über den Tellerrand der jeweiligen Disziplinen ermöglicht, Schnittmengen aufzeigt und den Austausch zwischen Praxis, Geschichte, Theorie und Reflexion fördert. Im interdisziplinären Dialog sollen Architektur-Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, um so vertieftes Verständnis und gegenseitige Impulse sowohl für Forschungsthemen wie für die künstlerische und entwerferische Tätigkeit des Architekten zu gewinnen. Wissenschaftliche Texte, Entwürfe, Zeichnungen und andere künstlerische Arbeiten stehen dabei als verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten eines kreativen, historischen und philosophischen Architektur-Diskurses gleichberechtigt nebeneinander. Ihre Zusammenschau bedeutet für jede beteiligte Disziplin einen Erkenntnisgewinn.
 
Themen und Erscheinungsweise
Die Zeitschrift soll zunächst einmal jährlich erscheinen und je einer Themenstellung gewidmet werden, die einen übergeordneten Zugang zur Gegenwart und Geschichte des Bauens sowohl aus kulturwissenschaftlicher Perspektive wie aus der Praxis der konstruktiven und entwerferischen Auseinandersetzung mit Architektur ermöglicht. Ein Editorial führt in die Thematik jeder Ausgabe ein und bildet den Auftakt für einen redaktionell abgeschlossenen Hauptteil, in dem in fünf bis zehn wissenschaftlichen und künstlerischen Beiträgen verschiedenste Sichtweisen auf das Thema eröffnet werden. Unter dem gemeinsamen Oberthema werden diese Beiträge ohne Beschränkung auf eine bestimmte historische Epoche oder auf einen bestimmten methodischen Zugang allerdings unter der Vorgabe versammelt, sich der interdisziplinären Perspektive zu stellen, die das Rahmenthema vorgibt. Die redaktionelle Moderation, die Entwicklung und Explikation der disziplinübergreifender Ansätze stellt an die Redaktion der Zeitschrift besondere Anforderungen, die einen intensiven inhaltlichen Austausch im Vorfeld erfordern.
Der damit beschriebene themengebundene Teil des Mediums bildet eine Plattform des Austausches zwischen den Disziplinen, zwischen Wissenschaftlern und Praktikern, zwischen jüngeren und etablierten Architekten und Autoren. Ein weiterer, auch nach dem redaktionellen Schnitt offenstehender Bereich bietet Raum für Kommentare und weitere, nicht themengebundene Sektionen mit kürzeren Beiträgen. Damit beabsichtigt ist, wichtige Architekten und Kulturwissenschaftler in den interdisziplinären Diskurs einzubeziehen und die online-Zeitschrift durch die Referenz bedeutender "Namen" zu einem attraktiven und hochklassigen Medium zu gestalten.
 
Vernetzung
Der durch inhaltlichen Austausch entstehende Vernetzungseffekt ist ein weiteres wesentliches Ziel, das mit der Gründung der online-Zeitschrift verfolgt wird. archimaera möchte durch die Arbeit am Projekt zu einer besseren Netzwerkbildung zwischen der jüngeren an Architekturthemen interessierten Forschergeneration beitragen. Die Mitglieder unseres Gründungsteams kommen aus der ETH Zürich, der RWTH Aachen, der Universität Essen, einem internationalen Ingenieurbüro in London, einer kunstgeschichtlichen Forschungseinrichtung in Rom. Eine europäische Ausweitung dieses Netzwerks ist geplant, sobald die ersten Schritte zur Konstituierung des Publikationsforums realisiert sind. archimaera versteht sich bewusst nicht als Publikationsforum für ein bestimmtes Institut oder für eine bestimmte Hochschule, auch wenn natürlich die Anbindung an Institutionen der Wissenschaft von großer Bedeutung ist.
 
warum online?
archimaera würde ein wichtiges Desiderat in der Publikationslandschaft zur Architektur einlösen. Wir möchten mit diesem Projekt ein tragfähiges, nicht ortgebundenes Netzwerk von Architekten und Architekturhistorikern knüpfen, das den fächerübergreifenden Austausch ebenso ermöglicht wie die unkomplizierte und zeitnahe Veröffentlichung wissenschaftlicher oder künstlerischer Arbeiten. Einen besonderen Vorteil des Mediums Internet sehen wir in seiner Offenheit: Über Texte und Bilder hinaus könnten dreidimensionale Animationen, Filme oder Klänge das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten abrunden. Die internationale Erreichbarkeit und einfache  Einsehbarkeit einer Internetseite erlaubt zudem eine Öffnung für Beiträge von außerhalb des deutschsprachigen Kontextes; der Weg, für eine fachübergreifende und interkulturelle Annäherung an das Phänomen Architektur eine Internetpräsentation anzubieten, erweist sich deshalb als kongenial. Wir laden alle Interessierten ein, diesen Weg durch Anregungen, Kritik und eigene Texte mitzugestalten. Zur Zeit besteht archimaera noch hauptsächlich aus deutschen Texten, aber auch Beiträge in englischer Sprache sind willkommen.
 
 
für die Redaktion:
 
Relja Arnautovic
Daniel Buggert
Nadja Horsch
Karl R. Kegler
Joachim Müller
Anke Naujokat
Martino Stierli